silence affects everyone in the end

Mir war der Bechdel-Test schon vor einer Weile untergekommen,

Menschen verlinken sowas ja immer gerne mal. Außer, dass er offensichtlich etwas zeigt, hatte ich ihn aber nicht weiter wahrgenommen. Über Rivva kam ich dann aber letzte Woche oder so einem Artikel in der Sueddeutschen, der erwähnte, dass in Schweden jetzt vier Kinos ihre Filme auszeichnen, ob sie den Bechdel-Test bestehen oder nicht. Seither hab ich da noch mehr drüber nachgedacht.

Als erstes Mal: Wie geht der Test? Das ist ziemlich einfach. Anwenden läßt er sich auf jeden Film, jede Serie, und jedes Buch, ja sogar auf journalistische Texte, wenn man ihn etwas modifiziert. Ursprünglich besteht er aus drei Fragen.

  1. Spielt in einer Geschichte mehr als eine Frau mit?
  2. Unterhalten sich die Frauen?
  3. Sprechen sie über etwas anderes als Männer?

Nur wenn alle drei Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, ist der Test bestanden. Weil die Fragen aufeinander aufbauen, kann man es auch in einer Frage zusammenfassen.

Sprechen in einer Geschichte zwei Frauen über etwas anderes als Männer?

Ich glaub ich mag den Test aus zwei Gründen: Zum einen ist er ein rein werk-immanentes Werkzeug. Es geht nicht um die Prozesse um ein Werk herum, um Diskurse und Machststrukturen, sondern es geht um das Werk selber. Zum andere ist er ohne große analytische Fähigkeiten oder weitere Schulung durchführbar. Ich würde sogar noch weiter gehen und ihn um zwei weitere Bedingungen ergänzen.

  • Kann man sich hinterher an den Gegenstand des Gesprächs erinnern?
  • Oder tragen die beiden Frauen gemeinsam zur Handlung bei?

Das erste zusätzliche Kriterium schließt zusätzlich unbedeutende Dialoge wie „Einen Kaffee bitte.“ aus. Das zweite Kriterium macht mit dem eigentlichen Anspruch des Tests Ernst. Es kann ja nicht darum gehen, ob zwei Frauen miteinander sprechen, sondern die eigentliche Frage ist, ja, welche Art von Rollen haben sie in der Geschichte eingenommen.

Was misst der Test eigentlich?

superman-und-batmanLaurel und Hardy in einer ruhigen Stunde.

Ein verblüffender Nebenaspekt des Tests ist, dass das Bestehen noch nichts garantiert. Ein mieser Porno könnte alle drei oder sogar alle fünf Kritetieren erfüllen und würde weder als guter Film noch als irgendwie gleichberechtigt gelten. Der Test alleine funktioniert nicht, sondern erst im Zusammenspiel mit anderen moralischen Kategorien. Aaaber … das Nicht-Funktionieren des Tests ist seine eigentliche Funktion, und ich glaube, das ist der Grund, warum er mich bis heute nicht losgelassen hat.

Denn was der Test beschreibt, wenn er fehl schlägt, ist erzähltheoretisch recht eindeutig: Frauen spielen entweder gar nicht erst mit, oder sie spielen nur Nebenrollen, oder – und das ist schon der beste Fall – sie spielen Hauptrollen, die aber ohne einen männlichen Gegenpart keine ganze Geschichte ergeben. Es sind allesamt Erzählungen, die zwar zuerst und an der Oberfläche irgendeine Geschichte erzählen wollen, die aber nicht umhin kommen die Geschichten von abhängigen Frauen zu sein. Aber zum Remsumé kommen wir erst am Ende, jetzt erstmal Bestandsaufnahme. Denn der Umfang, in dem Werke diese wirklich einfachen Test nicht bestehen, ist das erschreckendste an ihm.

Wer verliert?

kirk-spock
Spock und Kirk haben’s mal wieder vermasselt.

Es überrascht wohl niemanden, dass Hollywood der große Verlierer des Bechdel-Tests ist. Unter meinen 10 liebsten Filmen haben zu meiner eigenen Verfblüffung immerhin drei (Alien, Das Piano, Das Fest) den Test bestanden. Ein Überfliegen der 90 weiteren zeigt, dass sich die gute Anfangsquote nicht halten läßt. Und unter den Verlierern sind Regisseure und Regisseurinnen, wie die Cohen-Brüder, Sofia Coppola, Quentin Tarrantino, David Lynch, Oliver Stone und Terry Gilliam.

Bemerkenswerter Weise ist die Quote unter meinen 100 liebsten Bücher scheinbar noch schlechter. Von den ersten 10 würde keines den Test bestehen. Und in der Liste stehen immerhin zwei Literaturnobelpreisträger und kein geringerer als William Shakespeare. Die gesamte Liste umfasst zudem so unerwartete Verlierer, wie Douglas Coupland, Otfried Preussler, Michael Ende, Douglas Adams und Terry Pratchett. Ob das nur für meine Leseverhalten gilt, oder sogar verallgemeinbar ist, kann ich nicht so ganz sagen. Da Literatur anders als Film eine deutlich längere Geschichte hat, stehen die Chance für sie allerdings nicht gut. Mich würde mal interessieren, wie der eine oder andere Kanon so abschneidet.

Meine Comic-Sammlung brauche ich gar nicht erst aufschlagen. Dafür schwant mir noch Schwärzeres. Wobei! Ha! Der Schimpansen-Komplex besteht den Test.

Computerspiele sind in der Hinsicht ein nicht so uninteressantes Feld, wie man vielleicht meinen mag. Zwar darf man sich vermutlich keine erzählenden Games anschauen (wie man gerade drüben bei Marc über die letzte Instanz von Grand Theft Auto mal wieder lesen konnte), aber es gibt ja noch die Geschichten, die sich die Spieler selber erzählen, die Figuren, die sie selber einnehmen. Und wenn ich mich so in Sturmwind umsehe, ist das Geschlechterverhältnis dort doch ausgeglichener als in meinen Top100-Listen. Das ist bemerkenswert gerade weil klar ist, dass die Geschlechterverteilung bei den Spieler hinter den Figuren noch zu Ungusten der Frauen ausfallen dürfte. Oder anders: Wenn sich Spieler zusammentun und die Wahl haben, dann haben Sie schon irgendwie einen Impuls der zumindest etwas ausgeglichenere Erzählverhältnisse hervorbringt, als wenn man professionellen Erzählern und Marketingmenschen frei Hand läßt.

jack-und-stephenAnakin und Obiwan bereiten sich auf einen Kampf vor.

Auch bei den Serien gibt es einige weniger überraschen Verlierer, wie 24, Band of Brothers, Hornblower, Das Boot und einige überraschende Verlierer: Star Trek hatte ich – zumindest seit „The Next Generation“ eigentlich immer als eher fortschrittlich wahrgenommen. Aber schaut man sich das genauer an, wird man wohl in allen drei großen Serien TNG, DS9 und Voyager nur wenig Episoden finden, die den Test bestehen. Und das trotz der Tatsache, das es in der Crew immer mindestens zwei wichtige Frauen-Figuren gab. Star Wars Serien-Pendant Clone Wars schlägt sich immerhin besser als die Filme: Es gibt mit Asoka Tano eine weibliche Jediritterin, die in den Filmen ja ganz fehlt und die mehrfach in Episoden zusammen mit Senatorin Papme sowie anderen Jedi-Ritterinnen eingesetzt wird. Auch wenn das nur Ausnahmen sind: Grundsätzlich scheinen mir Serien auf dem besseren Weg zu sein …

Wer gewinnt?

… denn unter den Serien ist die Liste der Gewinner überraschend lang: Ausgerechnet Alaska, Sopranos, Rome, Mad Men, Six Feet Under, Borgia, the Walking Dead, und sogar das ansonsten als archaisch gebrandmarkte „Game of Thrones“. Spontan würde ich sagen, das Serien durch die längeren Erzählstränge größere Ensemble haben und so schlicht über die Masse den Test bestehen.

Unter den Gewinner-Serien würde ich in zwei Gruppen unterscheiden: In der einen finden sich Gillmore Girls, Sex and the City und Desperate Housewives wieder, in der anderen Gruppe finden wir Ally McBeal, Buffy, Angel und Firelfy. Die Serien der ersten Gruppen drüften den Spieß vermutlich umdrehen, würde ich vermuten. Die wenigen Männer, die mitspielen, tuen das eigentlich nur in Abhängigkeit der Frauen. Die letzte Gruppe aber ist der Teil, wo es tatsächlich nett wird, auch wenn ich mich etwas schwer damit getan habe, Ally McBeal nur doch ein Komma getrennt von Buffy hinzuschreiben, verdient hat es sich die Serie doch.

asterix-und-obelixButch Cassidy und Sundance Kid auf der Flucht.

Schauen wir uns mal ein paar Filme an, die den Test bestanden haben.

Das ist eine ganz spannende Mischung. Als erstes muss man latürnich an Thelma und Louise denken, ich zumindest. Und es ist in dem Kontext schon nicht unbemerkenswert, dass eine Geschichte, der mit umgedrehten Geschlechtern, als mit Kerlen als Hauptfiguren schon 20 mal verfilmt wurde und wahrlich unspektakulär ist, sich zu einer Ikone entwickelt hat, eben weil es mal zwei Frauen sind.

Mit dem Gott des Gemetzels und dem Wochenende haben wir zwei Literaturverfilmungen im Boot. Und Barbara wirkt immerhin wie ein Romanverfilmung. Dancer in the Dark, Sucker Punch und Black Swan hingegen würde ich mal in einen Topf werfen und als „Kunstfilme“ bezeichnen. Hier wird schon, bevor der Film losgeht klar gemacht, dass das hier nicht „normales“ Kino ist. Zusammen mit den oben schon erwähnten Filme „Das Piano“ und „Das Fest“ gibt das eine ziemlich große Gruppe die ich mal „Filmkunst“ oder „Programm-Kino“ nennen will.

Alien ist der einzige richtige Genre-Film mit internationalem Erfolg und einem Ansehen, das über die Jahrzehnte gehalten hat, der mir spontan einfällt. Aber auch er dürfte des Test nur mit viel gutem Willen überstehen, ist die Beziehung zwischen Ripley und Lambert doch alles andere als eng.

Im Rahmen des „normalen“ Kinos gibt es zwei klare Genre-Kandidaten: Komödien und Kinderfilme. Ersteres ist nicht wirklich erstaunlich. Letzteres finde ich aber schon bemerkenswerter. Merrida, Despicable Me und Lilo und Stich gehören ja schon mit zum Besten, was die Branche in dem Genre zu bieten hat. Scheinbar gibt es hier auch bei den Machern ein Bewußtsein, dass man Kindern irgendwie was anderes erzählen sollten. Das könnte vielleicht daran liegen, dass die Hälfte der Menschen, die diese Filme machen und die Eltern sind, garantiert eine Tochter haben. Wenn es um die eigenen Kinder geht, sehen die Massstäbe plötzlich ganz anders aus.

holmes-und-watsonObelix und Asterix bei der Pflege unbeugsamer Haare.

Was mich fasziniert ist, dass man zwar häufig Mutter-Tocher- oder Geschwister-Gespanne findet, aber das klassiker und den Zwei-Männer-Geschichten, die Männer-Freundschaft (oder auch die Bash-Brothers) sind praktisch Pendantlos auf der Siegerseit des Bechdel-Tests. Buffy und Willow sind vermutlich, das was am nächsten an Asterix und Obelix heranreicht. Wo sind die weiblichen Gegenstücke zu Holmes und Watson, zu Laurel und Hardy, zu Han Solo und Chewbakka, zu Titus Pullo und Lucius Vorenus, zu Sam und Frodo, zu Jack und Stephen?

Was sagt der Test denn jetzt aus?

han-und-chewbakkaHolmes und Watson sind der Lösung auf der Spur.

Wie oben schon angedeutet ist der Test ja kein Qualitätsgarant, und ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass er auch kein Nicht-Qualitätsgarant ist. Der Test ist nicht geniu-feministisch oder sagt etwas über den feministischen Gehalt einer Geschichte aus. Der Test ist zuerst eine erzähltheoretische Analyse-Dimension. Mit ihrer Hilfe läßt sich etwas über das Verhältnis von Geschichten zueinander und von Geschichen und Wirklichkeit sagen. Denn eines ist doch sicher: Die Hälfte aller Entscheidungen der Welt werden von Frauen gefällt. Die Hälfte aller Abenteuer der Welt erleben Frauen. Frauen sind die Hälfte der Menscheit. Überall. Sollten unsere Geschichten etwas anderes erzählen, liegt der Grund dafür ganz sicher nicht „dadraußen“ in der Welt, sondern in unserer Kultur.

Mir ist der Test, je länger ich an dem Artikel hier geschrieben habe, immer wichtiger geworden. Nicht weil ich mir oder irgendwem damit den Spaß an Literatur oder Filmen und Serien vermiesen möchte, oder weil ich jemandem ein schlechtes Gewissen machen möchte. Nein. Das wäre Unfug. Dazu taugt der Test ja auch gar nicht. Ich genieße ja auch Shakespeare, obwohl der bei Leibe kein Demokrat, und bestenfalls ein halbherziger Aufklärer war. Aaaber … ich kann bin mir dessen aber bewußt, wenn ich Hamlet schaue. Ich erkenne das Un-Demokratische, das Un-Humanistische im Shakespeare; ich erkenne als etwas, das vielleicht in seiner Zeit nicht wirklich vermeidbar war; aber ich mache es mir deshalb nicht zueigen. Ich kann unterscheiden. Ich möchte die These aufstellen, dass sich die wenigsten wirklich und ehrlich des Ausmasses bewußt sind und bewußt im Kino oder im Lesesessel erkennen, wie un-gleichberechtigt, wie un-aufgeklärt unsere Erzählungen in weiten Teilen immer noch sind.

Und – und das ist das wichtigste – es soll allen Ansporn sein, es anders zu machen; den Vorbilder zu folgen, die bewiesen haben, dass man es anders machen kann, wenn man nur will, dass es nicht einmal schwierig ist.

Der Rest ist Schweigen

Besonders, besonders, ganz besonders schön finde ich, dass Das Piano den Test besteht, obwohl seine Protagonistin den ganzen Film über schweigt. Wie herrlich!

das-piano
Horatio und Hamlet am Strand von Helsingör
in weit entfernten, glücklicheren Tagen.


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Kommentare

38 Antworten zu „silence affects everyone in the end“

  1. Avatar von Markus Freise

    Ben, bei aller Liebe zu Deinem Blog: Das ist totaler Blödsinn. Wie Du selbst schreibst: Die meisten Pornos bestehen den Test, wohingegen Meisterwerke wie Band of Brothers durchfallen? Ich mag ja Alison Bechdels Werk sehr gerne und vor allem „Fun Home“ ist ein Comic, den jeder gelesen haben sollte. Aber dieser Test kann nur ein Gedankenspiel und kein Instrument sein, ein Trigger um mal nachzudenken, wie die generelle Geschlechterverteilung im Kulturzirkus ist. Aber nicht ein Filter für Kultur an sich. Ich weigere mich, etwas anderes zu glaube. Dafür ist Frau Bechdel zu klug.

  2. Avatar von b.

    Auch wenn man bei Ben hin und wieder Buchstaben umdrehen und Wörter dazu- oder wegdenken muss, da steht schon ganz klar drin im Text, dass der Bechdel-Test von Ben nicht als Qualitätsmessinstrument verstanden wird. Und ich glaube, auch sonst von niemandem…

  3. Avatar von Markus Freise

    Ich habe auch „Filter“ und nicht „Wertung“ geschrieben.

    „Über Rivva kam ich dann aber letzte Woche oder so einem Artikel in der Sueddeutschen, der erwähnte, dass in Schweden jetzt vier Kinos ihre Filme auszeichnen, ob sie den Bechdel-Test bestehen oder nicht. […]“ Wozu sonst soll die Auszeichnung dienen, als denn dazu, Menschen zu sagen, ob sie diesen Film sehen sollten oder nicht? Was hat so eine Auszeichnung ansonsten für einen Sinn? Das klassifiziert Kultur vielleicht an der richtigen Stelle, aber mit falschen Mitteln. Filme von Sofia Coppola bestehen das nicht? Ich bitte Euch!

  4. Avatar von b.

    Um bei den schwedischen Kinos zu bleiben:
    Vielleicht möchte ich 1x im Monat einen Bechdel-Film sehen, warum auch immer… Dann ist es doch nett, wenn jemand anders das schon mal ausklamüsert hat. Ansonsten kann ich selbst das ja immer erst hinterher bewerten.
    Vielleicht gibt es auch Leute, die allergisch auf sich unterhaltende Frauen in Filmen reagieren. Dann wissen die, in welche Filme sie besser nicht gehen. Wer am Ende die besseren Filme sieht, ist doch eine ganz andere Frage (um die es Ben auch gar nicht geht – und darauf wollte ich auch hinaus).

  5. Avatar von ben_
    ben_

    @Markus: Ähm … ich muss mal nachfragen … haste den Artikel bis zum Ende gelesen? Die Bestandsaufnahme im Ersten Teil ist ja nur um mal exemplarisch ein Gefühl dafür zu bekommen, wie eigentlich die großen Verteilungstrukturen aussehen. Und ich muss sagen, dass ich die Ergebnisse nicht ganz unüberraschend fand. Im Schlechten wie im Guten.

    Aaaberrr … im vorletzten Abschnitt sage ich ja ganz, ganz deutlich, dass ich den Bechdel-Test nicht als Verbot betrache, sondern als Erinnerung und Erkenntniswerkzeug … wie wird hier eigentlich erzählt? … und als Allererstes als Aufforderung. Lieber Joss Whedon, Du warst schon mal besser viel besser als „Avengers“! Warum kann ich im Kino nicht wenigsten in einem von zwei Filmen, die Qualität bekommen, die ich in Firefly schon mal hatte?

    Oder nochmal anders: Du bist doch Vater von Töchtern, wenn ich mich nicht irre. Stört Dich das nicht, dass Zweidrittel aller Geschichten ihnen immer wieder erzählen, dass Frauen nebensächlich sind? Mich stimmt das schon etwas nachdenklich und enttäuscht. Insbesondere, weil es so unnötig ist. Ich meine Han, Chewie, Luke, Obiwan, Vader, Yoda, Lando … und Leia. Und dann noch die neue Triogie dazu … was wäre so schwer daran, was würde fehlen, wenn man da eine Hand voll Männerfiguren durch Frauen ersetzt? Warum?

    Und nochmal anders: Stell Dir bitte die umgedrehte Situation vor: Das Grós der Hollywood-Filme wären wie Sex and the City! Nur Frauen als Hautpfiguren und Männer sind nicht-eigenständig handelnde Staffage. Da wüßte ich vor dem Kinobesuch schon gerne grob bescheid, was mich erwartet.

    Und nochmal: Ich liebe Sofia Coppolas Filme deswegen ja nicht weniger inbrünstig. Es geht doch nicht um schwarz oder weiß (auch wenn die Gestaltung des Artikel das zugegebener Maßen nahelegt). Das ist eine Analyse- und Rezeptionsdimension unter vielen. Man kann sie anwenden, wenn man mag oder es sein lassen. Wir reden ja auch nicht bei jedem Film über die Kamera. Aber es macht halt auch mal Sinn, den eigenen Kanon mal in Hinblick auf die Kamera abzuklappern und schauen, was dabei rausfällt.

    Und jetzt wirklich als letztes: Ich finde das Ergebnis wirklich frapierend. Es geht immerhin um die Hälfte unserer Gesellschaft, ja nicht mal um die Häfte, sondern sogar um die Mehrheit, die Mehrheit unserer Freunde, der Menschen, die wir lieben. Klar wächst man da so rein und nimmt es nicht als Einschränkung wahr … aber – und das ist ja das schöne an dem Test – ganz objektiv und offensichtlich haben wir ein massives Ungleichgewicht, wenn es darum geht Geschichten zu erzählen und zwar zu Ungunsten der Mehrheit!

  6. Avatar von chrismue

    Eigentlich kann man das Thema gleich abwürgen. Wenn es mehr Drehbuchautorinnen geben würde, hätte niemand einen Bechdel Test erfinden müssen. Ohne Schreiberinnen keine Masse an interessanten und glaubhaften Protagonistinnen. Böse Zungen behaupten in der normalen Literatur ist es nicht viel anders und auf jede erfolgreiche Autorin, kommen mindestens 10 Autoren. Es ist geradezu eine bitter süßer Ironie, dass DIE Popautorin der Zeit, es ganz gezielt versäumt hat, ihrer Geschichte eine Heldin zu verpassen. Harriete Potter, das wärs doch mal. Insofern…

    Am Ende ist der Zuschauer Schuld. Wer mehr positive Bechdel Test Filme sehen möchte, muss in der Zeit zurück gehen und / oder aktuelle Blockbuster meiden. Beides wird nicht passieren und so muss man sich damit abfinden. Schade, aber geht nicht anders.

  7. Avatar von ben_
    ben_

    @chrismue: Na, na, na … es ist mir ja fast etwas unangenehm, das heute ständig fragen zu müssen … aber … hast Du den Artikel zuende gelesen? Ich bin auch nicht böse, wenn nicht, ich weiß, dass es ein langer ist. Daher zwei Dinge nochmal ganz deutlich, die auch im Text stehen:

    Erstens: Weit weniger meiner 100 liebsten Bücher erfüllen die Bedingungen des Tests als meiner 100 liebsten Filme. Da ich immerhin Literaturwissenschaft studiert habe, kann ich glaube ich mit etwas Nachdruck sagen: Ja, um die Literatur ist es schlechter bestellt.

    Zweitens: Es gibt Hoffnung! Über den Daumen gepeilt, würde ich sagen, dass mehr Serien, die ich in den letzten 13 Jahren gesehen habe, den Test schaffen, als scheitern. Und es könnte genau das einer der Gründe sein, warum Hollywood zusehends gegenüber TV-Produktionen ins Hintertreffen gerät: Weil man eben die andere Hälfte der Zuschauerschaft auch bedient.

  8. Avatar von chrismue

    Ich war schon aufmerksam genug denke ich. Ich wollte nur mehr „Warum“ statt „Buh!“ ins Thema bringen. Ich finde den Fokus auf das Medium Film insofern wichtig, da es jenes Massenmedium ist, dass noch immer die meisten Menschen prägt. Der moderne Blockbuster begleitet leider mehr Leben, als ein TV Serie oder gar das Buch, weshalb ich – um auf den Ursprung des Artikels zurück zu kommen – es nur unterstreichen kann, wenn Kinobetreiber jetzt solche Aspekte eines Films transparenter machen als bisher.

    Unterhaltung darauf zu reduzieren ist sicher falsch, aber es als zusätzlichen Indikator zu sehen, egal ob Buch, Film oder Spiel, halte ich für positiv. Anders formuliert: so lange man das Problem nicht in irgendeiner Form sichtbar macht, so lange wird sich nichts ändern.

  9. Avatar von ben_
    ben_

    @chrismue: Dann nehme ich alle Unterstellungen zurück und bitte höflich um Entschuldigung!

    Die Frage nach dem Warum, habe ich bisher in der Tat eher so ausgespart. Da haste mit Sicherheit Recht, die Lebenswelten der Autoren und die mangelnde Fähigkeit oder der mangelnde Wille, da mal über das eigene Pissbecken zu schauen, sind da sicher der wichtigste Faktor.

    Bei den TV-Serien wäre ich mir nicht so sicher. Ich folge ja so ein paar Game-of-Throne-Junkies. Da muss ich aber nur zu mir selber schauen: MacGyver und Indiana Jones waren mir schon ziemlich gleichlieb.

    Und was die Transparenz an der Kino-Kasse angeht: Ganz-ge-nau! Es hat schließlich jeder Film auch eine FSK-Auszeichnung. Und wenn er einen Oscar gewinnt oder eine goldene Palme steht’s auch drauf. Und in den USA liegt kein Buch und keine DVD mehr im Laden die nicht Aufkleber mit ihrem Metacritic-Score drauf hätte.

  10. Avatar von amo

    Müsste dann nicht auch ein Aufkleber drauf wie:

    „Hier haben Männer großartige Frauenfiguren erschaffen!“

    ?

  11. Avatar von thomas

    @amo: hrhr!

    @topic: Ich finde den Test dufte und das weniger, wie schon diskutiert, als Instrument für Qualität sondern schlicht als Indikator; ein bisschen wie Schwefel im Erdgas.

  12. Avatar von ben_
    ben_

    @amo: Tja … vielleicht kommt es irgendwann soweit. Ich würde wetten, in meiner Kindheit, hat sich keiner einen Scheiß darum gescherrt, woher Eier und Milch, Pullis und Schlüpfer kamen. Heute bin ich ganz froh drum, dass es draufsteht, auch wenn ich nicht jedes Mal drauf achte.

  13. Avatar von Gero
    Gero

    So noch ein wenig von meinem Senf:

    Ok ich gebe zu, darüber habe ich noch nie wirklich nachgedacht und dass man darauf aufmerksam macht ist eine gute Sache.

    Aber man sollte auch nicht zu überkorrekt sein, ich würde mir als Autor nicht vorschreiben lassen wie viele Figuren weiblich oder männlich zu sein haben. Schließlich wäre das meine Fiktion und da muss ich Figuren auch nicht unbedingt glaubwürdig oder politisch korrekt darstellen.

    Das Wichtigste daran ist also, dass die Leute wissen sollten, wie die Wirklichkeit aussieht, sodass diese Filme eben keinen falschen Erziehungseffekt haben.

    Da gabs doch auch mal eine Diskussion im Mario Spiele, dort war doch glaube ich eine Psychologin der Ansicht, dass sich Mädchen aufgrund der Darstellung der Frauenrolle (Prinzessin Peach) im späteren Leben Männern unterordnen würden oder so ähnlich.

    Nichtsdestotrotz wäre eine Story mit 2 Frauen als „Helden“ auch mal ganz cool. Rizolli und Isles…..hmm vll. nicht so das perfekte Beispiel…

  14. Avatar von Gero
    Gero

    Edit: Filme und Bücher natürlich.

    Und ja ich habe den Text und alle bisherigen Kommentare gelesen.

  15. Avatar von ben_
    ben_

    @Gero: Niemand hat vor eine Mauer zu errichten irgendwem irgendetwas zu verbieten. Das ist eher so, wie die Hinweise auf Lebensmittelpackungen: „Kann Spuren von Lebenswelten von Frauen enthalten.“ Hat ja auch keine was gegen, wenn in den Salzstangen Spuren von Erdnüssen drin sind. Interessiert aber vielleicht den einen oder anderen.

    Oder, nein, echt, nochmal anders herum: Ich verstehe, dass Autoren früher sexistisch drauf waren. Ich verstehe, dass die Menschheit Shakespeare und Goethe keine großen Fortschritte in der Hinsicht verdankt. Fair enough. Waren andere Zeiten. Konnten ja mit Sprache umgehen. Schwamm drüber. Passt schon. Aber heute … ich meine … heute … wo Frauen die Mehrheit unserer Gesellschaft ausmachen, und auch wenn sie weniger verdienen … heute, wo es keinen Grund außer „das haben wir schon immer so gemacht“ gibt … warum ist es heute noch die Ausnahme, dass Geschichten nicht marginalisierend über Frauen erzählen?

    Ich meine … wir sind uns doch einig … denke ich, dass zeitgenössisches Erzählen keinen Deut langweiliger wäre, wenn die Figuren mal ein paar weniger Kerls wären und ein paar mehr Frauen wären. Es ist ja nicht so, als gäbe es wirklich zwingende Gründe, Frauen außen vor zu lassen. Nimm z.B. Rome. Das ist nun wahrlich ein Stoff, der eigentlich wenig Raum für Frauen bietet. Und trotzdem haben die Drehbuchautoren ein super ausgewogenes Verhältnis gefunden und ich bin fest davon überzeugt, dass das einer der Eckpfeiler ist, der diese Serie soweit über die meisten anderen erhebt. Weist Du was ich meine … es kostet ja nichteinmal Mühe!

    Und nochmal, damit es keine Missverständnisse gibt: Ich will keine Bücher verbrennen und keine Erzählverbote. Ich möchte nur öfter auf einem Niveau unterhalten werden, von dem ich bereits weiß, dass es ohne weiteres möglich ist. Ich fordere nur das bereits Bewiesene ein.

  16. Avatar von Gero
    Gero

    @ben: Ok ja da sind wir uns natürlich einig.

    Ich wollte dir ja auch keine Bücherverbrennung unterstellen, du hattest es ja auch schon gesagt, dass du Serien, Bücher, Filme etc. trotz dieses Makels schätzt.

  17. Avatar von Ute
    Ute

    Also für mich hat Mad Men den Test nicht bestanden. Klar, die reden nicht nur über Männer, aber das Frauenbild ist trotzdem nicht positiv. Das lag aber daran, dass Frauen in der damaligen Zeit einfach in der männerdominierten Werbewelt nicht ernst genommen wurden. Und das transportiert der Film prima. Für mich wird „marginalisierend“ über Frauen gesprochen. Wir sind das hübsche Beiwerk, gut fürs Bett und psychisch labil. Selbst Peggy Olson (Texterin) macht das Ganze nicht besser.

    Ich finde es kommt auch immer auf das Genre an. Glauben die Zuschauer wirklich daran, dass in einem Mafia-Film eine Frau eine tragende Rolle spielen kann (außer als Staatsanwältin vielleicht). Wirkt das glaubwürdig oder dann eher bemüht?

    Auch bei Western bin ich mir da nicht so sicher, ob das so funktioniert.

  18. Avatar von b.

    @ute: funktioniert vielleicht besser/leichter mit Filmen, die in der Gegenwart, Zukunft oder parallelen Zeituniversen spielen, was ja einen Großteil zumindest der heutigen Kinolandschaft ausmacht. Bei – und sei es noch so vage angedeutet – historischen Stoffen finde ich das auch eher schwierig umzusetzen.

  19. Avatar von amo

    da geht es doch auch um viel archaisches.

    ich denke, fiktion konsumierend wollen die leute meist in einfache muster „zurück“. simples beispiel: er will der held sein. stark und souverän. sie will gerettet werden, prinzessin sein – was auch immer.

    diese archaischen muster werden immer wieder aufgebrochen. ripley ist so ein beispiel.

    haben wir hier neurologen? ich meine die forschung sagt: archaische muster funktionieren. es gibt jetzt auch wieder einen hype ums neuromarketing.

    insofern könnte man sagen: super mario – das ist einfach ne sichere nummer. und das muss es auch sein. weil es den mainstream bedienen soll.

    ben_, deine forderung ist allemal edel.

    @ute: ja, warum muss denn das frauenbild positiv sein? und gerade bei mad men sehe ich doch auch vor allem frauen, die sich im kontext ihrer zeit einen platz erkämpfen. dass sie dabei gut aussehen und im bett mutmaßlich keine schlaftabletten sind ist ein vorteil – vor allem für sie selbst, die lebensqualität und was auch immer…
    dazu kommt: in mad men sehe ich strauchelnde säufer und labile kriegsversehrte typen, die nie erwachsen werden (wollen/können). männer, die von homophoben ausgestoßen werden. männer, die eine panikattacke nach der anderen leben, weil sie zum erfolg verdammt sind.

  20. Avatar von n¦tropie

    Das wirklich Interessante hier ist, dass einige männliche Kommentatoren sofort mit „Ja, aber!“ zur Stelle sind und Strohmannargumente aufbauen („Meisterwerke fallen durch“, „überkorrekt“ bla bla), um dann diese anzugreifen statt den Sinn des Tests, nämlich das einfache Sichtbarmachen des Sachverhalts. Dabei hat sich ben_ so ausführlich Mühe gegeben, genau diese Scheinargumente erst gar nicht aufkommen zu lassen.

    Deswegen ein doppeltes Danke an ben_.

  21. Avatar von Gero
    Gero

    @ntropie: Ja stimmt Ben hat das bereits im Text verarbeitet, aber wir (um da mal alle die du meinst mit ins boot zu holen) wollten das einfach nochmal verdeutlichen.

  22. Avatar von Gero
    Gero

    Es ist ja nicht alles immer eine reine Kritik an Ben, sondern wird vll. ohne Intention (etwas zu widerlegen) geschrieben.

  23. Avatar von Markus Freise

    Sorry. Genderdebatten sind mein großer Trigger. Weißt Du, ich kann dieses apokalyptische Geschlechterbild einfach nicht mehr ertragen. Die meisten der hier angesprochenen Filme sind über 20 Jahre alt, in einer Zeit gedreht, in der unsere Eltern noch das Patriarchat gelebt haben. Demnach müssten wir Männer alle Frauenverachter und unsere Frauen Mauerblümchen sein. Stattdessen ist die Welt voll von beeindruckenden, starken Frauen und Männern, die gemeinsam die Zukunft gestalten. Ich kenne einfach kein Paar, in dem das anders ist. Außer es ist so beschlossen worden, ganz bewusst geplant. Wer Kinder hat, weiß, dass es eine klare Verteilung von Aufgaben geben muss, damit das soziale und wirtschaftliche Geflecht Familie funktioniert. Und zwar nach Talenten und nicht nach Rollen. Was soll ich tun? Meine Frau kocht viel lieber und ich kann viel besser Getränkekisten schleppen. Würden wir das anders machen, wäre es falsch, weil es nur anders, aber nicht besser wäre. Immer öfter erinnert mich die Gender-Debatte an die Videospiel-Debatte. Nur weil ein Mädchen mit Barbie spielt, wird aus ihr keine Daniela Katzenberger. Nur weil ein Mann Star Wars guckt, wird aus ihm kein Putin. Das ist alles so voller Hysterie und Ablehnung, dass ich mich als beobachtender Mensch nur noch abwenden möchte.

  24. Avatar von Markus Freise

    (Ich weiß, dass das wenig mit Deinem Beitrag zu tun hat. 😉

  25. Avatar von ben_
    ben_

    @Markus: 🙂

    Ich kann das apokalyptische Geschlechterbild auch nicht mehr ertragen, deswegen schreibe ich ja solche Artikel. Und obschon meine Eltern nicht das Patriachat gelebt haben, so bin ich doch nicht in einer Hippie-Kommune aufgewachsen. Ich für meinen Teil habe gerade ein Elternbuch aus den 70ern in Lekütre, dass „der Gegenkultur“ entstammt. Sowas kann ich zur Lekütre nur empfehlen. Unsere Eltern mögen keine Hippies gewesen sein, haben sie haben ganz sicher nicht einfach alles so gemacht, wie sie’s vorgefunden und erzählt bekommen haben. Die Generation unserer Eltern hat daran gearbeitet, dass aus uns starke Frauen und Männer werden und hat Sachen verändert. Und zwar nicht zuknapp. Die Art, wie wir heute Beziehungen führen, war in den 70er alles andere als selbstverständlich und das haben wir uns selbstverständlich nicht einfach so selber ausgedacht.

    Genau da will ich anküpfen. Ich habe mit keinem Wort hier irgendwo gesagt, Star Wars wäre schelcht oder Sofia Coppolas Filme wären schlecht, oder ich würde meinen Kinder verbieten sich das anzusehen, oder ich würde nur noch in Filme gehen, die den Bechdel-Test bestehen. Hab ich nicht. Mach ich nicht. Werd ich nicht. Es geht doch hier zuerst darum, sich Sachen bewußt zu werden und sie zu erkennen. Und dann geht es darum zu schauen, was man vielleicht noch verändern, verbessern kann.

  26. Avatar von ben_
    ben_

    @Ute: Fair enough. Der Bechdel-Test, ist ja auch keine Garantie für irgenwas, sondern eben nur ein Indikator. Ich hatte gestern die Freude mit einer Gender-Wissenschaftlerin zuabend zu essen. Die war ganz angetan von Mad Men. Ihre Argumentation war, dass die Frauenfiguren in der Serie eigentlich immer einen hohen Grad an Eigenaktivität zeigen – natürlich in den Momenten, in denen sie sich Rechte und Freiräume erkämpfen, aber auch in den Momenten, in denen sie das Machsimos-Spiel der Männermitspielen. Sie hat aber auch erzählt, dass sie Mad Men in einer Veranstaltung gezeigt hat und ihre Studierenden ziemlich empört waren. 🙂

    Was Mafia und Western-Filme angeht, stimme ich mal der Cineastin an meiner Seite zu: Klar, in „historischen“ Settings ist das natürlich viel schwerer, aber Sopranos, Rome und Game of Thrones sind Beispiele dafür das halt doch auch geht. Aber wie schon mehrfach erwähnt … der Test ist halt nur ein Indikator für eine Dimension eines Werkes.

  27. Avatar von ben_
    ben_

    @Amo: Unfug! Wir finden es ja – im durchschnittlichen Massengeschmack – nicht unterhaltsam, von den Vorzügen der Sklaverei und Gottesfürchtigkeit erzählt zu bekommen. Und das ist beides mal einmal 1A archaisch. Überhaupt … diese Vorstellung, das so komplexe, hochgradig artifizielle und kulturell geprägte Produkte wie Romane und Kinofilme irgendeine „Verbdingung“ zu einer seit 10.000 Jahren vergangen Gesellschaftstruktur haben, scheint mir völlig unhaltbar. Wir verstehen ja schon nicht einmal mehr wirklich die Gedankegänge der Menschen, die wenige Jahrzehnte tot sind.

    Nein … was Du als „archaisch“ bezeichnest, sind Bilder, die wir selber hervorgebracht haben, wildromantische Träume, die Erfindungen und Produkte der Moderne sind.

  28. Avatar von amo

    ich denke, das sind bilder und geschichten, die wir wieder und wieder hervorbringen und weitergeben. seit es uns gibt und solange es uns geben wird. das steckt tief drin. das medium wechselt. ob höhlenwand oder papyrus, fries, fresko, roman oder film. die erzählungen bleiben. und urwüchsige muster bleiben auch. ist da entwicklung möglich? kann man strukturen aufbrechen? kann man anders erzählen und so die welt ein stück weit neu denken? wir leben in einer zeit, in der etwas in bewegung gekommen ist, ja.

    und was den durchschnittlichen maßengeschmack angeht: das ist natürlich eine gefühlte dimension. ich möchte mir da aber nichts vormachen. am ende bleiben filme wie „300“ doch zumindest guilty pleasure. und thor ist ja z.b. auch ein gott dem man besser nicht ans beim pinkelt, sonst knallt’s. die leute amüsiert’s.

  29. Avatar von Alex

    Ich empfehle dazu den TED-Talk von Colin Stokes „How movies teach us manhood“ in dem er den Bechdel-Test auch aufgreift – 10 sehr unterhaltsame Minuten, die das Thema ziemlich gut auf den Punkt bringen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ueOqYebVhtc

    Hier sind die Hintergrundinfos und die Studien verlinkt, die er im Talk nennt:
    http://colinstokes.blogspot.de/2012/12/ted-talk-bibliography.html

    Ob nun Buffy, Pippi, oder Dorothy: Ich für meinen Teil wünsche mir deutlich mehr Serien und Filme, die den Effekt des „Ich möchte in dem Team mitspielen“ auslösen.

  30. Avatar von J.

    Besteht eigentlich die Kommentarspalte dieses Blogs den Bechdel-Test? Aber das nur am Rande. 🙂
    Ich finde ja, wenn der Test dazu führt, dass Menschen sich über Sexismus und Frauenrollen unterhalten, hat er schon einiges geleistet. Und ich bin auch froh, dass hier so antisexistische und postfeministische Männer das Blog frequentieren, dass die beiden vertretenen Positionen beide eloquent und genderbewusst vertreten werden, wie ich finde, selbst wenn die beiden Fragen „Ist die Existenz des Bechdel-Tests nützlich“ und „Wird der Test dem Medium Film gerecht“ etwas durcheinander gehen.

  31. […] silence affects everyone in the end […]

  32. Avatar von ben_
    ben_

    @Alex: Sehr schön zusammengefasst. Danke für den Link. Verblüffend, wie laut im Publikum über den Bechdel-Test gekichert wurde, weil soviele ihn offensichtlich nicht nicht kannten.

    @J.: Die Kommentare dieses Artikels haben den Test schon mal bestanden. Für die anderen Artikel sieht es vermutlich nicht ganz so ideal aus, da haste völlig Recht. Und völlig Recht hast Du natürlich auch damit, dass zwei (vermutlich noch mehr) unterschiedliche Dinge diskutiert werden. Und noch mehr Recht hast Du natürlich damit, dass die Leserschaft meines Blogs in der Tat eine bemerkenswerte ist. Ich bin dafür echt immer wieder dankbar und weiß, wie außergewöhnlich das ist. Danke, ihr Lieben!

  33. […] Zwei Dinge hatten mich sofort für "Frances Ha" eingenommen: Der Film ist vom "Greenberg" Regisseur Noah Baumbach. Und schon im Trailer sprechen die beiden Protagonistinnen Frances und Sophie über etwas anderes als Männer. […]

  34. […] den Autoren und Protagonisten waren, war für mich nie eine relevante Dimension. Dann habe ich mal meine Lieblingsfilme und Bücher dem Bechdel-Test unterzogen und war doch ziemlich […]

  35. […] einen Feministischen Subtext des Films im Vorfeld gar nicht mitbekommen, gucke Filme aber eh schon seit einer Weile anders. Und ich musste im Kino in der Tat ein, zwei mal denken, dass das nicht die Frauenrollen sind, de […]

  36. […] als der Bechdel-Test gibt es hier kein binäres Kriterium, „bestanden oder nicht bestanden“. Sondern nur die […]

  37. […] Natalie Haynes grosse Leistung besteht nicht alleine darin, einfach nur das zu tun, was eigentlich längst überfällig ist: Frauen als Protagonistinnen in den Vordergrund zu […]

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