Der Liebling dieses Monats ist natürlich ein Fußballer. Was anderes wäre ja kaum denkbar gewesen, bestehen doch wenn auch nicht die meisten meiner Gedanken dieser Tage so doch die schönsten aus Fußball. Die Entscheidung für einen Fußballer war in mehrfacher Hinsicht schwer. Zum einen kenne ich ja schon mal kaum Fußballer und obendrein noch welche über die es sich zu schreiben lohnt, die es verdient hätten, ins Pantheon aufgenommen zu werden. Die bundesdeutschen Spieler scheiden da schon mal aus. Dann stellt sich auch schon die Frage, ob ein aktiver oder ein bereits in Ruhestand befindlicher Fußballer zu wählen ist, vielleicht einer aus meiner Kindheit, wie Paul Breitner oder Karl Heinz Rummenigge. Oder jemand der inzwischen zur Fußballzweitverwertung gehört, wie Günther Netzer oder Pelé. Aber all diese Leute bedeuten mir eigentlich nicht viel; praktisch gar nichts.
Andererseits war die Wahl dann doch sehr einfach, besonders nachdem Frankreich gester Brasilien geschlagen hat und mit damit den großen Wunsch erfüllt haben, Brasilien nicht Weltmeister werden zu lassen und die letzten vier Spiele spannend zu gestalten. Meine Begeisterung für Zindedine Zidane hab‘ ich ja die Tage schon mal zum Ausdruck gebracht. Die ist inzwischen zu Hochform aufgelaufen, und ich würde es ihm sogar gönnen, wenn er Deutschland im Finale schlägt. Aber immer vorne angefangen.
Zinedine Zindane wurde 1972 in Marseille geboren. Großer Gott, der ist nicht mal 3 Jahre älter als ich. Das hat mich wirklich überrascht. Seit der WM ’98 war mir Zidane ein Begriff, er war die charismatisch und optisch herausragende Figur der WM. Welcher Fußballspieler hat schon Halbglatze? Die WM ’98 war für mich sowas wie ein Wendepunkt. Seit meiner frühen Kindheit, war Fußball eigentlich kein Thema mehr gewesen, aber die WM im Nachbarland Frankreich, war ein großer Spaß. Ich hab den Sommer über in einer Kneipe gearbeitet und viele Spiele dort gesehen. Zidane wurde schnell zur Identifikationsfigur für die ganze WM und ich hab‘ mich richtig ordentlich gefreut, als Frankreich im Endspiel entgegen der Erwartungen gewann.
Wie Jacques Derrida ist Zidane algerischer Herkunft. Dass er wie der große Dekonstruktivist ein Weltstar seiner Disziplin ist und eine der zentralen Figuren seiner Generation ist, war mir allerdings bis heute nicht so ganz klar. Dreimal war er Weltfußballer des Jahres, 2001 mit 66 Millionen US-Dollars der teuerste Spieler der Welt und wird inzwischen mit haufenweise anderen Fußballer vergleichen, deren Namen sogar in meinen Ohren klingen. Dass er außerhalb des Rasens besonnen, still und nachgerade schüchtern sein soll mach ihn nur noch sympatischer, als es sein herzlich erhliches Lächeln ohnehin schon macht.
Zinedine Zidane hat im Vorfeld angekündigt, dass er nach der WM seine Karriere als Profifussballer beenden wird, umso mehr wünsche ich ihm nun den Einzug ins Finale und den zweiten Titel.

Schreibe einen Kommentar