Wissen wo man steht

Wenn ich honig kaufe, kaufe ich mit Vorliebe „Gütersloher Fuhrmanns Spezialitäten“ Honig. Der Fuhrmann ist für Gütersloh, was der Leineweber für Bielefeld ist. In der Grundschule haben wir viel über die Geschichte Güterslohs gelernt und der Fuhrmann als „Maskottchen“ haftet seither in meinem Hirn, und das Wissen, dass meine Vorfahren in dieser Stadt wohl fahrende Kaufleute waren. Das deckt sich sogar mit der Etymologie meines Nachnamens.

Heute wurde ich dann von K. darauf hingewiesen, auf auf dem von mit soeben gekauften „Gütersloher“ Honig „Aus dem mexikanischen Hochland“ drauf steht. Schon wieder eine Gütersloh-Ernüchterung aus dem Mund von K.

Eben gab es eine Doku über Aborigines, die auf Inseln ausserhalb vor Australien leben und die wenig Freude daran haben, wenn irgendwer vorbei kommt. „Man,“ hab ich da gedacht „das kann ich verstehen.“ Wenn irgendwer ganz plötzlich meine ganze Kultur verhunzzt hätte, meinen Kontinent okkupiert und sich zum Herren meiner Welt aufgeschwungen hätte, dann würde ich wohl auch lieber auf einer Insel wohnen und versuchen, die Bruchstücke meine Kultur zu flicken.

Meine eigene Kultur ist eine witzige Sache. Deutschsein definiert sich ja mal zuerst als Nicht-Mehr-Nazi sein. Davor ist noch ein bischen Kaiserreich und halbherziger Koloniallismus, ein bischen deutsch-französischer Krieg sowie Paulskirche. Dann ist auch schon Schluss mit Deutschland im eigentliche Sinne. Ach ja, Preussen hab ich vergessen, aber das hat inzwischen ja auch jeder andere vergessen. Tja und ganz weit vorne ist noch irgenwo so eine Idee von den Germanen, Teutonen und Cheruskern, mit dem man hier aufwächst. Aber die Idee von Mr. sony sind mir weit näher als die Welt der nordischen Völker vor der Christianisierung.

Das Vierte – der Fernsehsender der mit Abstand das Maul am weitesten aufreist und am wenigsten von dem einhält, was er verspricht. „Wir sind Hollywood“ ist die Devise – „Wir zeigen die Filme, für die sonst keinen die Rechte haben will“ ist die Realität. Das schönsten am vierten ist die Werbung. Dort gibt es nämlich die Werbung für den History Channel, die mir sehr sehr zusagt: unterschiedlice Spots sind immer nach dem selben Muster gebaut: normale Leute stehen scheinbar ganz normal in der Landschaft herum, gehen spazieren oder sammeln Muscheln am Strand. Und dann werden bruchstückhaft schwarzweiß-Film über die Szene geblendet, die am gleichen Ort spielen und aus der gleichen Perspektive sind. Und so stürmen durch die Bildmontage die Alleierten zwischen den Muschelsammelnden Touristen den Strand der Normandie. Oder die Hindenburg stürzt brennend, auf die Wiese, auf der jetzt ein Hund Stöckchen sucht. Dann wird der Slogan eingeblendet: „Wissen wo man steht.“

Brilliant. Das trifft mich als Zielgruppe voll. Jajaja. Geschichtsdokus sind wichtig. If you know your history, then you would where you’re coming from, then you wouldn’t have to ask me, who who the hell do you think I am?


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