Das geht los, geht nach vorne los, das hat Kopf, das hat auch Arme und Beine

Nicht wissen wir. Nicht einmal einen Schimmer von den Dingen haben wird. Das fällt mir immer am deutlichesten auf, wenn ich eine Doku über die Geschichte unserer Republik sehe. Was so von 45 bis 89 passiert ist weiß ich zwar so grob aus aus dem Geschichtsunterricht, aber was das alles bedeutet, das hat uns niemand beigebracht. Und wie das alles so zusammenhängt, das erzählt einem erst Spielgel-TV. Gut. Spiegel-TV und in Persona Stefan Aust ist vielleicht nicht die letzte Instanz für die Wahrheit über die BRD, aber irgendwie doch ganz brauchbar.

Aber gestern hab ich echt was gelernt, als es eine ausdauernde Doku über den Finanz- und Arbeitspolitischen Absteig der BRD, der bei schon bei Brandt anfing und wenigstens bis zur Agenda 2010 reicht. Und was wirklich cool daran war, dass alle was gesagt haben, die Politiker: Graf Lambsdorf, Waigel, Biedenkopf und Schäuble; die Wirtschafttbosse von Mercedes, und VW und Carrera, die Gewerkschaftler, Ex-Bundesbankpräsidenten, Ex-Bundespräsidenten und ein paar Volkswirtschaftler. Und was sie alle, aber wirklich alle gesagt haben ist das alles schief gelaufen ist. Weizäcker hat’s gesagt, Schäuble hat’s gesagt. Über 30 Jahre haben alle deutschen Regierungen einfach immer mehr Schulden gemacht, still gehalten und gehofft, dass alles besser wird. Der Staat und die Wirtschaft wird das schon richten. Heilige Scheiß, das war wirklich eine verherende Bilanz.

Irgendwer am Ende der Doku hat dann gesagt, dass wir keine Probleme hätten, die man nicht beheben könnte und, dass das, was wir dafür brauchen v.a. eine andere Einstellung und ein andere Denke ist, sowohl bei den Wähler als auch bei den Politiker, sowohl bei den Unternehmern alsauch bei den Arbeitern. Es fehlt allendhalben der Wunsch, Probleme wirklich anzupacken und gemeinsam diesen Staat wieder nach vorne zu bringen.

Ring Räng, Ring Räng. Da gehen bei mir als gutem Linken sofort die Alarm-Glocken an. Alle Deutschen müssen sich zusammen tun und gemeinsam an der Reform unseres Staates arbeiten. Das war mir erst deutlich suspekt. Aber wenn man das im richtigen Kontext sieht, geht das schon auf. Immerhin gilt die gleiche Forderung implizit auch für alle Nordrheinwestfalen, alle OWLer und nicht zu letzt auch für alle Europäer. Der geographische Rahmen reicht bis an die Grenzen Europas. Damit wäre das Nationalismus-Argument hinfortgefäägt. Und was dann noch bleibt scheint mir wirklich wahr: ich für meinen Teil hab mich bisher „so druchgeschlagen“. Und mit einer „so durchschlagen“-Menthalität hab ich auch die meisten Sachen angepackt. Gut, das hat bisher ganz dufte geklappt. Aber wäre nicht mehr besser? Habe meine Großeltern mit einer „so durchschlagen“-Menthalität diesen Staat aufgebaut, der mir mein paradisisches Leben erlaubt? Es wird glaube ich wirklich Zeit, von sich selbst und von uns mehr zu fordern. Ehrlicher zu sein, und härter zu arbeiten.

Das wird groß, das wird riesengroß, aber nur durch uns und nicht von alleine.


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