Der Raid zu den Twin Colossals

Jan hatte schon vor einer ganzen Weile einen Artikel in seinem Blog mit dem Titel "Der Elf sieht verdächtig aus". Darin ging es um eine Geschichte, die die Absurdität, die uns regiert bis an die Grenzen der geistigen Belastbarkeit trägt.

Grundproblem ist Folgendes: 11 Millionen Menschen spielen weltweit World of Warcraft. Was auf den tausenden Server passiert und geredet wird, wird von keiner Suchmaschine erfasst. Ein idealer Ort für konspirative Treffen von möglichen oder tatsächlichen Terroristen. Da es in dem Spiel reichlich um's Kaputtmachen geht, brauch man nicht mal viel verschleiern. Man ersetzt einfach die Namen der Ziele durch Namen von Zielen in Azeroth und schon hat man einen ebenso einfachen wie unauffälligen Planungsraum für terroristische Anschläge. Witzigerweise gibt es in World of Warcraft sogar wirklich eine Location die "Twin Colossals" heißt … kein kann man zwar nicht angreifen, aber es zeigt, wie vollständig man dort verschwinden kann.

Soweit so gut. Folgerichtig fordert Dwight Toavs, ein Professor der National Defense University: Auch in “virtuellen Welten” müssen Geheimagenten unterwegs sein.. Jeder der auch nur einen Abend lang World of Warcraft gespielt hat, weiß, was das bedeuten würde. Jan beschreibt das in ganz zauberhaften Bildern.

[…] stellt euch doch mal den Arbeitsplatz vor. So ein verschrumpelter, armer James-Bond-Verschnitt quält sich morgens mit einer Tasse Kaffee vor den Rechner, loggt sich als Nachtelf oder meinetwegen als Untoter ein, macht ein paar Quests (damit er unauffällig bleibt, und hochleveln muss er ja auch, sonst kann er gar nicht überall hin) und stellt sich dann irgendwo an eine Ecke.

Aber selbst der etwas realistischere Versuch, zu dem Jan natürlich kommt, die Chatprotokolle der World of Warcraft Server auszuwerten, ist in einem Maße zum Scheitern verurteilt, dass mir angesichts soviel staatlich bezahlter Inkompetenz nur zwei Wege überigbleiben. Entweder der Rückzug in den Wald und ein Dasein als Whiskybrenner. Oder das Abschreiben des Staates als … überhaupt irgendwie für mich relavante Institution.

~ Vom 27. 6. 2009   – < rückwärts & vorwärts >
~ Ressort: Denken, Maschinen   Lexikon: Terrorismus, Wald, World of Warcraft

Kommentare


...Und was ist mit den

...Und was ist mit den sowieso problematischen privaten Servern, derer es ja nocheinmal so viele gibt?
Inkompetenz, du sagst es. Überwachung ist in diesen Fällen eigentlich nicht mehr möglich.

Grüße,
Pic.


Der konsequenteste Weg ist

Der konsequenteste Weg ist ja, alles was mit Bits und Bytes arbeitet ganz auszuschließen. Wer sich im Kampf gegen eine hochtechnisierten dieser Technik entzieht, wird unsichtbar.

Und DAS ist eigentlich sogar das erschreckendste Szenario. Nicht weil ich Angst vor einem unsichtbaren Terrorismus habe. Die Wahrscheinlichkeit auf der Autobahn von einem egomanischen BMW-, Mercedes-, oder Porschefahrer totgefahren zu werden ist x-tausendmal höher, als bei einem Anschlag zu sterben und der Grad die Willkür ist der selbe. Nein … das schlimme daran ist, dass der Staat schließlich nur noch uns überwacht, jene die zu überwachen sich nur lohnt wenn man schlimmeres will, als die Verhinderung von Anschlägen.


"Man ersetzt einfach die

"Man ersetzt einfach die Namen der Ziele durch Namen von Zielen in Azeroth und schon hat man einen ebenso einfachen wie unauffälligen Planungsraum für terroristische Anschläge."

Na gut, die Möglichkeit zur Kodierung ist vom jeweiligen Medium unabhängig; Tatsächlich halte ich dein Beispiel von den Twin Colossals in diesem Zusammenhang für arg suboptimal. Es gibt wesentlich raffiniertere Methoden als Namen oder Orte mit Begriffen aus dem Spieleinhalt zu ersetzen. Unsichtbar wird man dadruch noch lange nicht.

"Auch in “virtuellen Welten” müssen Geheimagenten unterwegs sein."

Das sind Sie doch schon längst in anderer Form. Es sind zwar keine staatlich beauftragten Agenten, aber die Spieleadmnistration hat die Möglichkeit, dein Dasein im Spiel permanent zu überwachen:

Sie kann theoretisch deine Gespräche einsehen, deine Gewohnheiten für wirtschaftliche Zwecke auswerten und bekommt mit Leichtigkeit heraus, wer hinter deiner Spielfigur sitzt. Außerhalb von kriminellem Kontext spielt es doch keine Rolle, ob dort ein Agent oder ein Gamemaster oder ein Praktikant vom Blizzard-Marketing sitzt, der dich zweckmäßig ausspioniert. Eine strenge Privatssphäre existiert in diesem Spiel sowieso nicht.

Es gibt ein schönes Beispiel aus diesem Interview, das ein anonymer Ex-Gamemaster dem Spiegel gegeben hat. Im Spiel hatlaut diesem ein User seinen Selbstmord angekündigt; dies wurde von einem anderen Mitspieler gemeldet, woraufhin die Administration den jeweiligen Chatverlauf überprüfte und die Polizei alarmierte, die im NU beim reellen Wohnsitz des Spielers aufkreuzte(!).
Gut, der Zweck dieser Aktion hat ohne Zweifel ein positives Prädikat verdient, aber meine Schlussfolgerung ist wohl offensichtlich.

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@Pic

"...Und was ist mit den sowieso problematischen privaten Servern, derer es ja nocheinmal so viele gibt?"

Stimmt natürlich, wobei sich mir nicht erschließt, wieso ich mich in WoW organisieren sollte, wenn ich doch sowieso ein isoliertes Netzwerk aufbaue.

Aber alles in allem gebe ich euch natürlich recht, was hier vorgeht ist die Bedrohung der Privatsphäre und kollektive Kriminalisierung von Spielern. Nicht dass Ich Blizzard den damit verbundenem Absturz dieses Dreckspiels nicht gönnen würde, aber man muss wohl auch mal Prioritäten setzen.

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